Gedenkworte von Landtagspräsident Hendrik Hering zum Tod von Joachim Mertes

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Vor zwei Tagen ist der ehemalige Landtagspräsident Joachim Mertes im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

Jeder von uns kannte Joachim Mertes. Als Präsidenten von 2006 bis 2016, als Fraktionsvorsitzenden, als langjährigen Kollegen Ratgeber und Freund. Die Nachricht von seinem Tod hat uns betroffen und unendlich traurig gemacht.

In der letzten Sitzung der vergangenen Wahlperiode konnten wir Joachim Mertes als einen Menschen erleben, der mit sich im Reinen war. Er wusste, was er in langen Jahren für das Parlament und im Land erreicht hat. Dabei blieb ihm immer bewusst, dass ihm eine politische Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde. Joachim Mertes war ein selbstbewusster und leidenschaftlicher Parlamentarier. Er verstand es, mit Worten zu kämpfen und, wenn nötig, Konflikte auszutragen. Er hat Konflikte nicht gescheut. Nicht nur der politische Gegner musste ihn fürchten. Er zeigte auch Mut, gegenüber der eigenen Fraktion, der Landesregierung und der Presse.

Ihm ging es nicht darum, bei Allen allezeit beliebt zu sein, sondern darum für seine Überzeugungen einzustehen. Noch als Landtagspräsident nahm er sein Recht wahr, als Abgeordneter zu sprechen, wenn es um seine Heimat, den Hunsrück, ging.

Vom ersten Tag meiner Tätigkeit in Regierung und Parlament an, habe ich Joachim Mertes erlebt. Joachim Mertes schätzte klare Worte, er konnte aber auch Menschen für sich einnehmen und zusammenführen. Viele junge Abgeordnete haben erlebt, wie er ihnen den Weg bereitet hat. Insbesondere Abgeordnete, die, wie er selbst, nach Ausbildung und Berufstätigkeit in die Politik gegangen sind, konnten sich seiner Sympathie sicher sein.

Auch als Chef der Landtagsverwaltung genoss er Anerkennung und großen Respekt unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wer das Glück hatte Joachim als Freund und Ratgeber zu haben, der weiß, Joachim Mertes konnte sehr sensibel sein, er konnte zuhören und besaß viel Empathie. Als Landtagspräsident war es ihm besonders wichtig, die Stellung des Parlaments gegenüber der Regierung zu stärken, die Zusammenarbeit von Rheinland-Pfalz mit seinen europäischen Nachbarn auszubauen und den Landtag als Ort der Begegnung weiterzuentwickeln.

Er hat sich als Präsident der europäischen Partnerschaftsverbände für Europa verdient gemacht. Zu einem selbstbewussten Parlament gehörte für Joachim Mertes auch ein angemessenes Gebäude. Er war froh darüber, dass er die Sanierung des Deutschhauses noch in seiner Amtszeit auf den Weg bringen konnte. Es war ein Projekt, für das er sich begeisterte und deshalb konnte er andere überzeugen. Abgeordnete und Journalisten, die die Notwendigkeit der Sanierung nicht einsehen wollten, führte er selbst im Deutschhaus durch Keller und Küche. Ich werde seine Freude nicht vergessen, wie wir ihm beim ersten Spatenstich für das neue Deutschhaus einen Sandstein mit der Gravur „Als war’s ein Stück von mir“ übergeben konnten. Der Landtag war nicht nur baulich, sondern vor allem auch ideell ein Stück von ihm.

Wer Joachim Mertes abseits der Tagespolitik erlebte, lernte einen belesenen Menschen kennen. Er begeisterte sich für die Geschichte. Er konnte dabei gleichermaßen faszinierend über den Kurfürsten Balduin sprechen, wie über das Schicksal armer Auswanderer aus dem Hunsrück in Brasilien. Wer sein Arbeitszimmer im Deutschhaus betrat, sah rund um seinen Schreibtisch historische Literatur aufgestapelt. Deshalb war ihm auch die Erinnerungskultur wichtig. Wer Joachim Mertes bei den jährlichen Gedenksitzungen des Landtags am 27. Januar und im Gespräch mit Zeitzeugen erlebt hat, spürte, dass ihm das Gedenken nicht nur eine moralische Verpflichtung war. Es war ihm darüber hinaus ein Bedürfnis, Verantwortung für die deutsche Geschichte zu übernehmen.

Geschichtsbewusstsein und Heimatverbundenheit gehörten für Joachim Mertes zusammen. Geboren wurde er in Trier, zur Heimat wurde ihm jedoch der Hunsrück. Von 1989 bis 2014 war er neben der Landtagstätigkeit auch Ortsbürgermeister in Buch. Hier fand er nicht nur Anerkennung, sondern auch Rückhalt und Unterstützung. Ich habe gespürt, wie vielen Menschen innerhalb und außerhalb des Parlaments der Tod von Joachim Mertes nahe gegangen ist. Hier im Saal und im gesamten Land sind in den langen Jahren seines Wirkens viele Menschen Joachim Mertes begegnet. Alle haben persönliche Erinnerungen an seine zugewandte, herzliche, humorvolle, offene und manchmal robuste Art. Damit hat er beeindruckt, und das wird in Erinnerung bleiben.

Auch das neue Deutschhaus am Platz der Mainzer Republik wird mit der Erinnerung an Joachim Mertes verbunden bleiben. Wichtiger noch aber ist uns Joachim Mertes als Vorbild für einen selbstbewussten Parlamentarismus, als eine der wichtigsten Säulen der Demokratie.

Joachim Mertes hat sich um die Demokratie verdient gemacht. Er hat sich um Rheinland-Pfalz verdient gemacht. In Gedanken sind wir bei seinen Angehörigen und Freunden.

 

 

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